Puppe im Polderhuis Westkapelle die einen Deicharbeiter darstellen soll

Westkapelle: Der ewige Kampf mit dem Meer!

„Der alte Mann und das Meer“ ist von Hemingway zweifellos als Melodram geschrieben, doch zugleich zeigt dieses Werk wie kaum ein anderes das Leben der Menschen an der See. Fischerei ist dabei nur ein Aspekt und mancherorts lässt der ewige Kampf mit den Wellen auch imposante Bauprojekte entstehen – in diesem Fall die Deiche. Um dem Meer Land abzuringen, braucht es einiges an Mut, Kraft und Verstand. Das wiederum bringt ziemlich typische Kulturlandschaften hervor, die ihr besonders gut in Zeeland und in Westkapelle im Besonderen besichtigen könnt.

Westkapelle Teil des zweitgrößten Deichs der Niederlande

Westkapelle ist untrennbar verbunden mit dem Bau des in den Niederlanden zweitgrößten Deichs. Das Land liegt an vielen Stellen unterhalb des Meeresspiegels, Schutzmaßnahmen sind also für eine Besiedelung unverzichtbar. Mauern gegen das Meer und seine Gewalten beeindrucken uns schon seit Urzeiten.
Scharzweiß Zeichnung zum Dorf Westkapelle um 1370

Westkapelle um 1370

Auch wenn der Mensch oft trotzdem nicht bestehen kann gegen die Brandung oder bei den für Walcheren keineswegs seltenen Sturmfluten. Doch die Abwehr, der Schutz vor den Gezeiten der Meere ist nur eine Seite dieses faszinierenden Projekts. Zugleich geht es in Westkapelle seit Jahrtausenden auch um die Gewinnung von neuem Land für die Besiedlung. Das ist fast noch wichtiger als die bloße Gegenwehr. Und die Menschen in Zeeland schafften es, trotzen der Natur unvermindert Land ab.

Nicht nur auf, sondern auch mit dem Wasser lässt sich Krieg führen! Gezielte Flutungen, Dammbrüche, zugleich aber auch die schnelle Reparatur zur Sicherung des Hinterlandes – in Westkapelle waren solche militärischen Aktionen stets Bestandteil der Abwehr von feindlichen Invasoren. Erinnert sei hier nur an die Sprengung des Deichs im 2. Weltkrieg.

Polder rund um Westkapelle als neuer Lebensraum

Du denkst, die Windmühlen sind hauptsächlich zum Mahlen von Korn erbaut worden? Nun, das ist nur die halbe Wahrheit. Die Windmühlen waren für Walcheren noch aus einem anderen Grund unverzichtbar.
Mühle von Middelburg

Zur Landgewinnung waren die Mühlen einfach unersetzlich

Als Symbol der Unnachgiebigkeit pumpten die Mühlen schon im Mittelalter rund um Westkapelle das Wasser aus neu gewonnenem Land. Diese Krume der Ozeane wird „Polder“ genannt und der dient dann für Landwirtschaft, Wohnraum oder auch zum Aufbau maritimer Infrastruktur. In Westkapelle bedienten sich die Einheimischen dann aus den Poldern und stellten Ziegelsteine für den Leuchtturm und die Straßen in der Region her. Wenn du heute über die rumpelige Hauptstraße von Westkapelle fährst, dann sind das vielleicht sogar noch Steine aus dieser Produktion. Die meisten Straßen des Dorfes und einiger Nachbargemeinden sind so gepflastert.

 
Heute wird der Deich als solcher mit seinen elementaren Funktionen gar nicht mehr richtig wahrgenommen. Wir spazieren darüber, erfreuen uns an der Aussicht aufs Meer oder lassen Drachen steigen. Hast du dazu vielleicht ein gelungenes Foto geschossen? Dann schick es an uns, wir veröffentlichen es gerne. Schreib eventuell noch einen kurzen Satz und deinen (Vor-)Namen dazu und ab die Post. mail@info-zeeland.de oder an Twitter & Co.

Der Deich um Westkapelle konnte nicht jede Katastrophe verhindern

Westkapelle durchlief eine sehr wechselhafte Historie. Als begehrte Region für den Handel und strategisch optimal positioniert wurden hier Schlachten geführt, der Atlantikwall der Nazis gebaut und immer wieder gigantische Sturmfluten überstanden.
Schwarzweiß Foto zerstörtes Westkapelle nach der Sturmflut

Bild der Verwüstung nach der Sturmflut

So entwickelte sich der Deich und die Polder zu einem ganz eigenen Lebensraum, den ihr euch rund um Westkapelle prima anschauen könnt. Unzählige Maßnahmen wurden vor Ort umgesetzt, um Katastrophen wie jene bei den verheerenden Überschwemmungen in den 1950er Jahren zu verhindern. Das Leben am Meer hat seinen Reiz, zweifellos. Doch auf Zeeland sind zugleich die immensen Anstrengungen zur Sicherung dieses ungewöhnlichen Lebensraums zu sehen.

Heute wichtiger denn je – der ökologische Aspekt

Dünenübergang in Westkapelle vom Leuchtturm fotografiert

Dünenübergang in Westkapelle

Das Ganze muss aus heutiger Sicht natürlich auch immer umweltgerecht geschehen. Während die Küsten urbar werden für die Besiedlung, führt die Landgewinnung im selben Moment auch zur Zerstörung der Ökosysteme Watt und Salzwiese. Auf Walcheren spielt deshalb auch rund um Westkapelle der Naturschutz eine große Rolle. Nachhaltigkeit in der Bewirtschaftung ist hier die Richtschnur für alle Nutzungsprojekte.

Kurzer Anhang zum Thema Polder: Rotterdam, der größte Seehafen Europas, da wird fast drei Mal soviel Ware umgeschlagen wie in Hamburg, steht zu großen Teilen auf Poldern. Dafür wurden gigantische Maßnahmen zur Landgewinnung umgesetzt. Bagger mit Saugvorrichtungen graben dem Meer gewissermaßen den Boden ab und schichten das Gestein dann bis zu einer bestimmten Höhe auf. Heute heißen diese Gebiete auch „Spülfelder“ und sie werden meistens mit Steinen verstärkt, zur Sicherung gegen die ewig hungrige Brandung.

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