Über den Dächern von Westkapelle mit Kirchtürmen und Leuchtturm

Die wechselhafte Geschichte von Westkapelle!

Die berühmte Neolithische Revolution, also das Sesshaft werden der Menschen nach der Periode der Jäger und Sammler, ereignete sich bekanntlich zunächst entlang großer Flüsse. Das Meer ist mit Sicherheit erst später in den Fokus einer Besiedlung gerückt. Immerhin bieten die Ozeane reichlich Nahrung, aber eben auch jede Menge Gefahren. So ist es nur zu verständlich, wenn die Menschen nicht sofort am Strand sesshaft wurden. Diese langsame, aber stetige Entwicklung lässt sich gerade in Zeeland ziemlich gut nachvollziehen. Ein Ort wie Westkapelle zeigt in seiner langen Historie die wechselhafte Beziehung zwischen kultureller Prägung und den Gewalten der Natur.

 

Welches ist dein liebster Deichabschnitt von Westkapelle? Am Panzer? Oder vielleicht auf einer der Bänke am neuen Leuchtturm? Oder stehst du tagsüber gerne mit dem WoMo auf dem gepflastertem Deich Richtung Domburg? Schick uns ein Foto deines Lieblingsplatzes an mail@info-zeeland.de oder unsere sozialen Seiten. Wir veröffentlichen es gerne. Schreib vielleicht noch einen Satz und deinen (Vor-)Namen dazu. Und schon erscheint alles in unserer Rubrik „Eure Tipps“.

 

Westkapelle: Deichbau im Altertum und Mittelalter

Schon die Römer sind offenbar auf Zeeland umhergezogen und in Westkapelle gab es möglicherweise auch schon einzelne Siedlungen. Die erste echte Besiedlungswelle setzte im Hochmittelalter ein, wo Westkapelle in der Geschichte dann auch ganz konkret im Jahre 1067 zum ersten Mal erwähnt wird.
Zeichnung der Kirche von Westkapelle im 18. Jahrhundert

Die Kirche von Westkapelle im 18. Jahrhundert

Schnell blühte die lokale und überregionale Wirtschaft dank Fischerei und Handel, zumal das Dorf auf Walcheren eine strategisch äußerst wichtige Bedeutung bekam. Die Natur jedoch stellte die Bewohner ständig vor neue Herausforderungen, beispielsweise ging aufgrund der Dünenerosion der frühere Hafen verloren. Von solchen Schwierigkeiten zeugen die ältesten Chroniken. Sie demonstrieren den ständigen Kampf der Region mit den entfesselten Urkräften des Meeres.

 

In Westkapelle wurde der Schlamm, der zur Gewinnung der Polder mithilfe von Windmühlen abgepumpt wurde, zu Backsteinen gebrannt. Das Dorf ist somit Hauptproduzent für das Baumaterial der auf Walcheren so typischen Backsteinbauten, wie beispielsweise der Leuchtturm. Aber auch viele Straßen der Region sind mit diesem Steinbelag gepflastert.

 

Das goldene Zeitalter der Niederlande ist auch das von Westkapelle

Im Zuge der Auseinandersetzungen mit Spanien unter Philipp II. kam die Niederlande zur Unabhängigkeit. Das dauerte ganze 80 Jahre in einem fortwährenden Krieg! Für Westkapelle bedeutete der endgültige Sieg dann einen neuen Aufschwung mit Wohlstand und kulturellen Höchstleistungen. Zugleich rückte der Ort auch wieder in den Fokus der Strategen. Bei neuen Auseinandersetzungen mit England kam es zu heftigen Seeschlachten vor der Küste, später folgte die Besetzung durch Frankreich. Auch der Zweite Weltkrieg hinterlässt seine Spuren, grausame Massaker der Nazis inklusive.

Westkapelles Deich von der Römerzeit bis heute

Die Römer in Westkapelle - ein Fund ausgestellt im Polderhuis

Die Römer in Westkapelle – ein Fund ausgestellt im Polderhuis

Eine verständlicherweise zentrale Rolle spielte der Deich als eigentliche Agora des Lebens in Westkapelle und in Zeeland. Beständig musste der Ort ins Landesinnere rücken, es wurden Binnendeiche zur Verstärkung errichtet. Von wenigen Metern im Altertum bis zu einer mehr als vier Kilometer langen Konstruktion in der Neuzeit ist der Deich von Westkapelle für sich selbst genommen ein monumental-historisches Bauwerk für das Leben am Meer. Das ist gerade auch historisch sehr interessant. Wenn Du dich für maritime Architektur interessierst, dann ist ein Ausflug in die Region rund um den Ort mehr als empfehlenswert.

 

Zwischen Sturmflut und Schutz der Dünen

Überschwemmungen und schwere Fluten sind rund um das Dorf immer zu erwarten. Die ganz großen Katastrophen, die Jahrhundertfluten sozusagen, lassen sich in den Chroniken dieser Region eindrucksvoll nachlesen. Immer wieder versuchen die Einwohner den Deich zu verstärken, der Erosion durch die Dünen zu begegnen. Doch selbst die beständigen Neubauten können den Gewalten der Natur nicht immer widerstehen.

 

Meer und Deich in Westkapelle mit Strandhäuschen und neuem Leuchtturm im Hintergrund

Meer und Deich bestimmten schon immer das Leben in Westkapelle

Es lohnt sich immer ein Spaziergang auf dem Deich. Dabei gibt es auch bautechnische Anhaltspunkte, was die Historie dieses für Westkapelle überlebenswichtige Bauwerk so ungemein spannend macht. Haltet also Ausschau nach älteren Abschnitten – es bieten sich hier zudem ganz hervorragende Motive zum Fotografieren. Die älteren Abschnitte erkennst du auch daran, wenn durch die Hochsommerhitze der Teer zwischen den Deichsteinen weich wird und an deinen Schuhen klebt.

Ein Besuch vor Ort zeigt diese Entwicklungen, zumal eine solche ewige Wiederkehr des Gleichen und der Fluten für die Bewohner eine große Herausforderung darstellt. Bis in unsere Gegenwart hinein wird Westkapelle beim Deichbau unterstützt durch ingenieurtechnische Meisterleistungen. Zwischen Landgewinnung und Überschwemmung ist es eben ein schmaler Grad. Bei einem Besuch  kannst Du diese eindrucksvolle Geschichte in allen Facetten kennenlernen.

 

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